Warme Stube
Warme Stube -Betzdorfer Tafel 5 Jahre alt
5 Jahre Warme Stube- Betzdorfer Tafel
Bericht aus der Siegener Zeitung von Daniel Montanus
Quelle: www.siegener-zeitung.de/news/altenkirchen.html
vom 19.2.2010
„So viel auf der einen Seite, so wenig auf der anderen“
Natürlich hilft die „Warme Stube“ mit einer Essensausgabe, die materielle Not zu lindern. Dank vieler begleitender Angebote ist die Betzdorfer Tafel aber längst zu einem sozialen Netzwerk geworden. Foto: damo
Betzdorf „Warme Stube“ besteht jetzt seit fünf Jahren / Weit mehr als nur eine Essensausgabe / Jede Woche kommen über 100 Besucher
„Selbst wenn die Hartz-IV-Sätze erhöht würden, wären die Tafeln nicht überflüssig.“
damo ♦ „So unendlich viel auf der einen Seite, so unendlich wenig auf der anderen“: Pfarrer Markus Aust nennt es „das Paradoxon der Überflussgesellschaft“, dass in den Supermärkten kistenweise Lebensmittel entsorgt werden, weil das Haltbarkeitsdatum erreicht ist – und nur ein paar Häuser weiter sitzt jemand in seiner Wohnung, der jeden Cent dreimal umdrehen muss. „Das ist doch ethisch und moralisch nicht vertretbar“, meint Aust, und aus diesem Blickwinkel ist es nur konsequent, dass er vor einigen Jahren an diesem Punkt angesetzt hat. Er hat die Idee der Tafeln in den Kreis Altenkirchen geholt – und dass das höchste Zeit war, wird jeden Mittwoch im Gemeindehaus an der Gontermannstraße offensichtlich.
Dort stapeln sich am späten Vormittag noch die Lebensmittel: Kistenweise Brot, Unmengen Obst und Gemüse, Fertiggerichte und Molkereiprodukte erschlagen den Betrachter förmlich – und doch sind zwei Stunden später die Regale leer. Knapp 800 Menschen waren in den Spitzenzeiten – bevor in Wissen eine weitere Tafel eröffnet wurde – in der „Warmen Stube“ in Betzdorf angemeldet. Und der Bedarf ist in Zeiten einer Wirtschaftskrise keineswegs kleiner geworden. „Jede Woche kommen um die 120 Besucher, und weil sie oft ganze Familien versorgen, hängen da sicher noch mal 300 oder 400 Menschen dran“, sagt Aust. Oft reichen die Sitzplätze nicht aus.
Aust sieht die materielle Not – und so macht ihn die aktuelle Diskussion um die Hartz-IV-Sätze wütend. Aber in der „Warmen Stube“ wird nicht nur auf Armut reagiert, sondern auch auf den fehlenden Zugang zum sozialen Leben. „Die Hartz-IV-Sätze tragen der sozialen Komponente keineswegs Rechnung“, sagt die Sozialpädagogin Renate Kohl von der Caritas und meint damit, dass Menschen nicht nur ein Anrecht auf Essen und Wohnung, sondern auch auf ein Leben in der Gesellschaft haben sollten. Natürlich verbiete der Hartz-IV-Satz niemandem, sich einem Gesangsverein anzuschließen: „Aber man schämt sich, wenn man nach der Probe nicht mal Geld für ein Getränk hat“, erklärt sie. Und so grenze Armut aus.
Genau an dieser Stelle setzt die Caritas schon seit geraumer Zeit an: Denn längst ist die „Warme Stube“ weit mehr als eine Essensausgabe. Die Bildungswerkstatt der Caritas erweitert das Tafel-Angebot um eine ganz wichtige Komponente: „Wir können mit Bildungsangeboten die Welt nicht verändern – aber wir können den Menschen helfen, wieder zu einem anderen Selbstbild zu kommen“, sagt Kohls Kollegin Stefanie Breiderhoff. Denn die Caritas bietet nicht nur Kurse, die helfen, mit knappen finanziellen Mitteln über die Runden zu kommen (z. B. Koch- oder Nähkurse), sondern auch Angebote im kreativen und musischen Bereich.
So hat beispielsweise ein Töpferkurs eine ganz wichtige psychosoziale Funktion: „Die Menschen, die in die ,Warme Stube’ kommen, werden von Außenstehenden oft auf ihre Defizite reduziert: Es wird geschaut, was sie nicht haben.“ Da diese Fremdwahrnehmung für das eigene Ego kaum ohne Folgen bleibe, sei es wichtig, einen Gegenpol zu setzen: „Wir sehen auch die Stärken der Menschen.“
Dieser Gedanke soll bald in ein neues Projekt münden: Unter dem Leitgedanken „Wir wollen mehr als nur tafeln“ können sich Besucher der „Warmen Stube“ einbringen und Projekte umsetzen, erklärt Stefanie Breiderhoff. Von Patenschaften für Wanderbänke, dem Setzen von Blumenzwiebeln oder der Organisation eines Kinderfests profitieren alle: „Viele Besucher der Tafel sind nur sehr ungern Hilfeempfänger, und so können sie zurückgeben.“
Das wird aber auch jenseits der Caritas-Angebote in der „Warmen Stube“ praktiziert. Aust nennt als Beispiel für die gute Gemeinschaft, die sich entwickelt hat, eine Sterbebegleitung: Eine alte Frau ist an Krebs erkrankt und gestorben; während ihrer letzten Monate haben ihr ihre Bekannten aus der Tafel zur Seite gestanden. Klar, dass sich Aust über so ein Beispiel freut: In der Betzdorfer Tafel spielt der christliche Glaube eine wichtige Rolle, und dass dann Nächstenliebe praktiziert wird, zeigt ihm, dass ein soziales Netzwerk entstanden ist.
Bloß: Natürlich darf keine Parallelgesellschaft entstehen, sind sich die Pädagoginnen von der Caritas und Pfarrer Aust einig. „Erklärtes Ziel ist es, dass wir die Menschen aus ihrer Isolation holen und sie ermutigen, wieder rauszukommen.“ Und diese Zielsetzung ist für Aust auch wichtiges Argument, mit dem er der Kritik begegnet, dass Tafeln Defizite des Sozialstaats kompensieren und damit zu Gehilfen eines ungerechten Systems werden. „Selbst wenn die Hartz-IV-Sätze erhöht würden, wären die Tafeln nicht überflüssig.“
Betzdorfer Tafel - Warme Stube
Betzdorfer Tafel /Warme Stube
Unsere Betzdorfer Tafel mit „Warmer Stube“ sammelt inzwischen jede Woche rund zwei Tonnen Lebensmittel aus den Supermärkten. Lebensmittel, die sonst vernichtet werden würden. Mit diesen Lebensmitteln, die noch haltbar sind, werden mehrere hundert Bedürftige, darunter bis zu fünfhundert Kinder mit Lebensmitteln versorgt.
Neben der Versorgung mit Lebensmitteln und einem warmen Mittagessen, bietet die Warme Stube in Zusammenarbeit mit dem Betzdorfer Caritasverband kontinuierlich Fortbildungen zu lebenspraktischen Themen (Nähkurs; Umgang mit Geld; Gesunde Ernährung u.a.) für die Besucher an, die sehr gut angenommen werden. Überdies besteht das Angebot der Sozialberatung, es gibt Hilfe bei der Schuldenberatung, dazu Seelsorge- und Gesprächsangebote, und immer auch einen geistlichen Impuls. Ein ganzheitliches Hilfskonzept, dass die Eigenständigkeit der Besucher/innen zum Ziel hat.
Wir freuen uns über Ihre Unterstützung und Mithilfe!
Mit Ihrer Geldspende helfen Sie uns materiell und ideell!
Sie können Ihre Spende überweisen an: Ev. Kirchengemeinde Betzdorf (Verwendungszweck: Warme Stube), Kto. 6000335, bei der Kreissparkasse Altenkirchen, BLZ: 57351030
Ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung
Ihr Markus Aust, Pfr.
(v.i.d.S.) Ev. Kirchengemeinde Betzdorf, Gontermannstr. 26, 57518 Betzdorf, Tel.: 02741/22231
Die warme Stube (Tafeln) Betzdorf
Die warme Stube ist immer mitwochs von 11.00 - 14.00 Uhr im Gemeindehaus Gontermannstraße für Sie geöffnet.
Bedürftige sind herzlich eingeladen. Es gibt nicht nur ein warmes und schmackhaftes Essen, sondern auch ein mutmachendes Wort und die Nähe von Menschen, die Sie verstehen.

Warme Stube hat neue Küche
Neue Küche im Gemeindehaus Gontermannstraße
Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung vieler ehrenamtlicher Helfer wurde in den Sommerferien die alte Küche demontiert, die Küchen-Räumlichkeiten restauriert, so dass die (gebrauchte, vier Jahre alte) professionelle Edelstahlküche eingebaut werden konnte. Noch ist die Küche noch nicht völlig komplett,(einige Einheiten wie zusätzliche Spüle und Arbeitsfläche werden noch geliefert) aber der Kochbetrieb für die Warme Stube konnte schon Ende August wieder aufgenommen werden.
Unter der Projektleitung von Ulrich Eichling, dem wir an dieser Stelle ganz herzlich dafür danken, wurden die Umbauarbeiten durchgeführt. Zuerst musste die alte Küche demontiert werden, danach eine alte, sehr schwere Entlüftungsanlage der Fa. Nickel. Dieses Werk war mit Unterstützung von Ulrich Eichling, Presbyter Bernd Salzer, Hausmeister Karl Werner Rudolf, dessen Bruder Hans Joachim sowie unserem Helfer Oliver Schumann (s. Bild) innerhalb von anderthalb Tagen vollbracht. Schon währenddessen begann Elektrikermeister Hans-Martin Jährig (Bild) aus Kirchen mit den Installationsarbeiten. Für die neuen Geräte und den außen angebrachten Abzugslüfter mussten Leitungen gelegt und ein neuer Verteilungskasten installiert werden. Herrn Jährig gebührt ebenso ein riesiges Dankeschön, denn er hat alle professionellen Tätigkeiten ebenfalls ehrenamtlich(!) ausgeführt. Einfach fantastisch! Die Materialkosten der Elektroarbeiten übernahm das RWE als Projektförderung, begleitet von Thomas Blickheuser. Auch dafür herzlichen Dank!
Unglaublich aber wahr ist auch, was Günter Schnell (Bild) zustande gebracht hat. Mit seinen 75 Lenzen und die Goldhochzeit mit seiner geliebten Inge (die auch in der Warmen Stube mitarbeitet) vor sich, flieste er in Windeseile alle Wände vom Boden bis zur Decke. Danke, lieber Günter!
Dank sagen wir auch allen anderen Helfern, die die Decke abgehangen haben, Gipsplatten montierten, Handlangertätigkeiten verrichteten und Schlitze klopften: Ulrich Eichling, Bernd Salzer, Bernd Unzner, Günter Gräwer, Kurt Bieler, Bernd Helmus.
Wir danken unserer Hausmeisterin Renate van Kneten und ihrer Helferin Sabine Gsodam, die viel zu räumen hatten.
Ebenso danken wir unseren Teamleiter/innen der Warmen Stube: Charlotte und Udo Horn, Ulrich und Erika Eichling, Brigitte und Heinz Heineck, Brigitte Gerhards und Brigitte Conrads, die währen der Umbaumaßnahmen viele Herausforderungen zu bewältigen hatten.
Wir danken allen Mitarbeiter/innen der Warmen Stube und allen Gemeindegliedern für das Verständnis.
Des weiteren geht ein ganz besonderer Dank an Jürgen Busch aus Herdorf, der sich ehrenamtlich der Herausforderung stellte, eine gebrauchte Profi-Küche so umzuplanen, dass sie auch in unsere beengten Räumlichkeiten hineinpasst. Alles in allem eine großartige Gemeinschaftsaktion!
Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 40.000 Euro, die aus Spendenmitteln finanziert wurden. Sie, liebe Spender, haben das alles möglich gemacht. Herzlichen Dank!
Der größte Dank richtet sich an unseren Herrn und Gott, der diese Arbeit so gesegnet und vor Unfall und Schaden behütet hat.
Markus Aust

Günter Schnell beim Fliesen

Elektrikermeister Jährig schafft ehrenamtlich

Unsere neue Küche
5 Jahre Warme Sube- Betzdorfer Tafel
5 Jahre ist es nun her, dass die Warme Stube- Betzdorfer Tafel ihren Anfang nahm. Was alles daraus erwachsen und entstanden ist , lesen sie unter Betzdorfer Tafel- Warme Stube
Wir suchen noch Fahrer und ehrenamtliche Helfer......
Rhein-Zeitung am 13.3., S.17 zu unserer Tafel
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Unsere Tafel hat einen neuen Kühlraum. RZ 10.9.10
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