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Geschichte der Gemeinde

Kirchengeschichte

Geschichte der Gemeinde Beitrag zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf 1994 jährte sich zum hundertst...
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Kreuzkirche "Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Beitrag zur Gesc...
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Glocken Die Vorkriegsglocken: Vier Bronzeglocken von der Fa.Rinker (Sinn/Dillkreis) Angeliefert am 28....
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Pfarrer Pfarrer der Kirchengemeinde I. Kirchener Pfarrer a) vor der Reformation 1325-1372 Johannes von...
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Orgel Die Orgel Hergestellt von der Firma Förster und Nicolaus (Lich bei Gießen) Montiert von der Fir...
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Friedenskirche Betr.: Haus Friede / Friedenskirche in Scheuerfeld Abschrift vom Original im Archiv der Ev.Kirch...
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Beitrag zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf

1994 jährte sich zum hundertstenmal die Gründung der evangelischen Kirchengemeinde in Betzdorf. Grund genug, um den Gemeindemitgliedern und auch sonstigen Interessierten den Werdegang der Gemeinde vor Augen zu führen, gleichsam also durch Höhen und Tiefen der letzten 100 Jahre zu gehen.



I. "Vorgeschichte"Unsere Heimat gehörte in ihren christlichen Anfängen zum Haigergau, also zum Kirchspiel Haiger, dessen Grenzen König Konrad I. in einer Urkunde von 913 festlegte. Zu diesem Zeitpunkt existierte in Kirchen, etwa an der Stelle, wo heute die Lutherkirche steht, schon eine kleine Holzkirche, die dem Heiligen Michael geweiht war. Im 12.Jahrhundert zersplitterte die Pfarrei Haiger in viele kleinere Pfarreien, von denen eine Kirchfreusburg war. An die Stelle der Holzkirche kam im 13.Jahrhundert eine Steinkirche im romanischen Stil.

1555 residierte auf der Freusburg Graf Sebastian II. von Sayn, dem durch Erbteilung die Herrschaft über das Siegtal und damit über die Kirchspiele Daaden,Gebhardshain, Kirchfreusburg und Niederfischbach zugefallen war. Graf Sebastian war darauf bedacht, dem kirchlichen Leben eine gute Ordnung zu geben und erließ deshalb 1561 eine Anordnung zur Durchführung der lutherischen Reformation. Die Kirchenordnung des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz (1556) sollte die lutherische Lehre verbreiten und der 1562 eingeführte Katechismus des württembergischen Reformators Brenz sollte zur Unterweisung der Christen dienen. Im Jahre 1565 erfolgte die Berufung von Leopold Optichtyus zum Pfarrer nach Kirchfreusburg. Optichtyus, der in Wittenberg studiert hatte, führte auch gleich den Kleinen Katechismus von Dr.Martin Luther ein. Mit dem Tode von Graf Sebastian 1573 ging die Regierung über an Graf Heinrich IV. von Sayn, der, einst ein hoher Kirchenpolitiker in Köln, ein überzeugter Anhänger der Reformation war. Er trat im heimischen Raum auch als Bauherr von Schloß Friedewald, des Altenkirchener Schlosses und der Freusburger Kapelle (1594) in Erscheinung.

1574 erfolgte die Erneuerung und Verbesserung der Pfälzer Kirchenordnung durch Graf Hermann von Sayn in Hachenburg, die dann 1581 mit Ergänzungen eingeführt wurde. Im Jahre 1589 ernannte Graf Heinrich den Magister Optichtyus zum Superintendenten der Grafschaft Sayn. Im selben Jahr erfolgten die "Anweisungen für Superintendenten, Pfarrherren und andere Kirchen- und Schuldiener, welchermaßen sie sich in der Lehre des göttlichen Wortes, der Verwaltung der Sakramente, in den Zeremonien und anderen zum Kirchendienst gehörenden Stücken verhalten sollen". Ein Jahr später wurde in Frankfurt eine neue Kirchenordnung gedruckt, durch die die Kirche im Saynischen Land durch Predigt und Unterweisung, durch Bibel, Gesangbuch und Katechismus erneuert werden sollte.1605 ordnete Graf Wilhelm von Sayn-Wittgenstein die calvinistische Reformation an, die lutherischen Pfarrer wurden abgesetzt und durch sehr streitbare reformierte Kirchenmänner ersetzt, die 1622 den Heidelberger Katechismus einführten. Im Jahre 1626 setzte die Gegenreformation ein, als die Freusburg durch den Kurfürsten von Trier erobert wurde. Der Kurfürst verlangte den Wechsel der Bevölkerung zur Katholischen Kirche und schickte zwei Jahre später Jesuiten, die die hiesigen Bewohner von der katholischen Lehre überzeugen sollten. Die schwedischen Truppen brachten 1632 nur eine kurze Erleichterung, denn fünf Jahre später hatte hier der Kurfürst wieder das Sagen. Die Unsicherheit hatte erst 1652 ein vorläufiges Ende, als es zu einem Ausgleich zwischen Sayn und Trier kam. Im sogenannten "Koblenzer Nebenrezeß" wurden die Kompetenzen zwischen weltlicher und geistlicher Herrschaft geklärt. Als Folge aus diesem Rezeß bestand für Katholiken und Lutheraner die freie Religionsausübung. Der Luthersche Katechismus und das Eisenacher Gesangbuch wurden eingeführt, Kirchfreusburg und Niederfischbach vereinigten sich zu einem Kirchspiel und Kirchen selbst wurde Simultangemeinde, d.h.beide Glaubensrichtungen benutzten die heutige Luther-Kirche gemeinsam.



II."Die Kirchener Zeit"Im Jahre 1712 entstand in Kirchen eine eigene Pfarrstelle und es wurde das erste Kirchenbuch der Gemeinde Kirchen angelegt. 1743 wurde Freusburg mit Niederfischbach zur selbständigen Kirchengemeinde. Das Kirchspiel Kirchen bestand damals aus den Ortschaften Kirchen, Freusburger Mühle, Euteneuen, Büdenholz, Brachbach, Mudersbach, Birken, Niederschelderhütte, Katzenbach, Offhausen, Herkersdorf, Herdorf (tlw.), Struthütten, Dermbach, Sassenroth, Grünebach, Alsdorf, Betzdorf, Dauersberg, Wallmenroth, Scheuerfeld, Bruche, Schwelbel, Brühlhof und Wehbach. Daraus kann man leicht ersehen, welch weiten Weg die Gemeindeglieder am Sonntag auf sich nehmen mußten, um Gottes Wort zu hören !

Fünf Jahre später erfolgte die Einführung des "Gemeinschaft-ichen Sayner Gesangbuches" (1748) und im Jahre 1779 des "Seilerschen Katechismus". 1780 fand das "Berliner Gesangbuch" seinen Einzug in die hiesigen Gemeinden, welches 1813 mit einem Teil 2 von Johann Peter Sturm (Kirchen) versehen wurde. Schon 1810 wurde in Kirchen die erste Orgel gekauft. Die Finanzierung erfolgte durch festgelegte Beträge aus den einzelnen Ortschaften, jedoch enthielt sich, wie verärgert niedergeschrieben wurde, Mudersbach der Spendenbereitschaft in Höhe von 950 Talern.

Mit Entstehen des preußischen Landkreises Altenkirchen (1816) entstand auch der Kirchenkreis Altenkirchen, der sich aufteilte in den pietistisch geprägten Oberkreis und den mehr volkskirchlich orientierten Unterkreis. Zwei Jahre später, nämlich im Jahre 1818, erfolgte die Union der Lutheraner und der reformierten Christen, die sich niederschlug in der Einführung des Evangelischen Gesangbuches (1834), des Snellschen Katechismus (1842) und des Unions-Katechismus der unierten Gemeinden (1859). Grundlage für das kirchliche Leben bildete jedoch die 1835 eingeführte "Rheinisch-Westfälische Kirchenordnung", die den Weg öffnete für die Übernahme von Verantwortung durch die Gemeindeglieder.

1847 fand in Kirchen regelmäßig eine Bibelstunde statt, die von Pfarrer Doll geleitet wurde und von der sehr viel Segen für die damals etwa 850 Seelen des Kirchspiels ausging. Im Jahre 1862 bildete sich dann auch eine Frauengruppe, die sich volkstümlich das "Kränzchen" nannte. Diesen Kreis kann man als Vorläufer der Frauenhilfe bezeichnen. Mitte der siebziger Jahre richtete Pfarrer Doll einen Kindergottesdienst ein, der nach Art der Sonntagsschulen geführt wurde.Zu dieser Zeit regte sich unter den Betzdorfer Bürgern der Kirchengemeinde der Wunsch, doch auch hier am Ort Veranstaltungen einzurichten, in denen man Gottes Wort hören und in der Bibel unterwiesen werden könnte. Schon vorher hatte Pfarrer Doll in einer Spendenaktion 2400 Mark 'zusammengekratzt`, um den Bau eines evangelischen Schulhauses zu finanzieren. Diese Schule für Alsdorf-Betzdorf konnte 1865 im Äuchen bezogen werden und diente fortan auch als Betsaal. In den Jahren 1877/78 folgte der "Äuchen-Schule" infolge Platzmangels der Bau einer zweiten Schule in der Schulstraße. Heute steht an diesem Platz das Arbeitsamt. Ab 1880 fanden in den Betzdorfer Schulhäusern Sonntagsschule und Bibelstunden statt, doch die evangelischen Christen des Ortes wollten zum Gottesdienst nicht immer nach Kirchen laufen müssen.Der Wunsch nach einer eigenen Gemeinde wurde immer größer und so leitete man ab 1882 verschiedene Aktionen, wie Konzerte und Sammlungen, "zum Besten des Neubaues einer evangelischen Kirche zu Betzdorf" ein. Die Aktionen des `Kirchenbau-Komitees' erreichten einenvorläufigen Höhepunkt im Erlaß des Koblenzer Oberpräsidenten zur Abhaltung einer Hauskollekte bei den evangelischen Bewohnern der Rheinprovinz zugunsten des Kirchenbaues vom 27.Juni 1888. Wie in der damaligen "Betzdorfer Zeitung" nachzulesen ist, lud schon zu diesem Zeitpunkt Pfarrer Haarbeck von Kirchen zum Besuch von Gottesdiensten, Betstunden, Andachten und Unterrichten nach Betzdorf ein. Diese Veranstaltungen fanden allesamt in den beiden Schulen statt.

Unterdessen erfolgte in Kirchen die offizielle Auflösung des Simultaneums (1885), das sein endgültiges Aus fand, als die evangelischen Christen der katholischen Gemeinde deren Besitzanteil an der gemeinsamen Kirche für 20000 Mark abkauften und das Gotteshaus fortan "Luther-Kirche" nannten.



III.Kirchengemeinde BetzdorfAm 1.April 1894 kam es dann zur Eigenständigkeit der Evangelischen Kirchengemeinde zu Betzdorf. Bis dahin hatte man 70000 Mark für den Kirchbau gesammelt. Nachdem in Hohenbetzdorf ein Grundstück erworben werden konnte, erfolgte am 8.April 1894 der erste Spatenstich für das zu errichtende Gotteshaus, welches mit 90000 Mark veranschlagt war. Am 14.Juni konnte bereits die Grundsteinlegung erfolgen. In die eingebrachte Schatulle legte man eine Urkunde mit dem Text: "Ihm aber, der überschwenglich tun kann über alles, das wir bitten und verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, ihm sei Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist zu allen Zeiten und von Ewigkeit zu Ewigkeit.Amen."(Epheser 3,Vers 20,21).Im selben Jahr noch erfolgte die Lieferung von drei Glocken durch die Firma Rinker in Sinn (Dillkreis). Pfarrer Oskar Julius Brüssau, seit dem 2.August 1893 als Pfarrverwalter eingesetzt, wurde am 12.August 1895 als erster Pfarrer der Gemeinde eingeführt. Nachdem am 28.Juli die insgesamt vier Glocken im Turm aufgehängt werden konnten, fand am Reformationstag des Jahres 1895 die feierliche Indienststellung der Kirche statt. Erster Küster war Tillmann Reppel, der 1889 auch Mitbegründer des örtlichen CVJM (damals noch Ev.Männer- und Jünglingsverein) war.Die Gemeinde wurde mit Leben gefüllt, immer mehr Einrichtungen und Veranstaltungen entstanden und so war es nicht verwunderlich, daß ein gewisser Platzmangel offenbar wurde. Jede einzelne Gruppe und Institution erfreute sich eines Zuwachses an Interessierten, die Gemeinde wuchs. Die Folge war eine rege Bautätigkeit, die immer mehr die teilweise noch bestehenden Provisorien ablösen helfen sollte. So entstand im Jahre 1899 das Vereinshaus der Evangelischen Gemeinschaft in der Bismarckstraße, das am 2.Ostertag 1900 feierlich bezogen wurde. Das Haus beherbergte ab dem 4.März 1904 den ersten Kindergarten und diente von 1905 bis 1907 sogar als Schulhaus.

Das Jahr 1907 war sehr geprägt vom erfreulichen Zuwachs an Räumlichkeiten: Es entstand das dritte Schulhaus in der Blücherstraße (heute Martin-Luther-Straße) und die Gemeinde kam in den Besitz eines Pfarrhauses. Dieses Haus in der Martin-Luther-Straße war eine Schenkung des damaligen Kirchmeisters Hoffmann und seiner Gattin und hatte einen Wert von 36000,- Mark! Gottes Wege sind doch unerfindlich und die Gemeinde konnte und kann noch heute nicht genug danken für diesen oft unerwarteten Segen, den sie mit dieser Schenkung und mit vielem mehr erhielt. Zu diesem Segen gehörte auch die Kirchturmuhr, die 1905 vom Kaufmann und Gewerken Julius Weber gestiftet wurde.

Wo wäre die Kirchengemeinde heute, wenn sie nicht solche Leute in ihren Reihen gehabt hätte, die selbstlos soviel gaben wie sie konnten? Betrachtet man die Chronik weiter, ziehen sich solche Geschehnisse wie ein roter Faden durch die Geschichte, doch darauf soll hier und da noch näher eingegangen werden.Wie der stellvertretende Kirchmeister Carl Bückart 1912 schreibt, war das kirchliche Leben in der Gemeinde in dieser Zeit sehr rege. Im Jünglingsverein, der sich 1893 dem Westdeutschen Jünglingsbund in Barmen (heute CVJM-Westbund) angeschlossen hatte, bildete sich 1908 ein Posaunenchor, das Vereinshaus überschrieb man der "Michel und Compagnie, Gesellschaft für Reisepredigt im Siegerland", die Baufirma Christian Sohn baute kostenlos (!) zwei Räume für eine anzustellende Gemeindediakonisse an. Unter Pfarrer Holtey-Weber nahm der Kirchenbesuch derart zu, daß man ernsthaft in Erwägung zog, die Kirche anzubauen. Dazu muß man wissen, daß die Kirche damals ein Fassungsvermögen von fast 1000 Personen hatte ! Die Zahl der Gemeindeglieder stieg von 2226 im Jahre 1895 auf stolze 3800 Seelen im Jahre 1924 !Die gemeindlichen Verhältnisse waren stabil und trotz des I.Weltkrieges geordnet, wenn auch in dieser schweren Zeit der Gottesdienstbesuch verständlicherweise manchmal zu wünschen übrig ließ. Die Kurve zeigte aber wieder nach oben, als Pfarrer Ternieden in Betzdorf seinen Dienst versah. Pfarrer Ternieden war hier so beliebt und geachtet gewesen, daß bei seiner Abschiedspredigt am 25.April 1926 sogar der Altarraum und die Kanzeltreppe als Sitzgelegenheiten herhalten mußten. Unter Pfarrer Winterberg erfuhr der Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Sabath einen starken Mitgliederzuwachs, aus Anerkennung der hier geleisteten Arbeit fand 1928 das Jahresfest der Kreis-Kirchenchöre in Betzdorf statt. In dieser Zeit gründete der Jünglingsverein eine Turn-und Sportabteilung und wechselte 1930 zum neugegründeten Kreisverband Altenkirchen. Im gleichen Jahr (13.Dezember 1930) nahm man in Scheuerfeld das neuerbaute, "Haus Friede" getaufte Vereinshaus in Besitz, dem 1934 ein Turm mit zwei Glocken angebaut werden sollte. In Wallmenroth konnte am 29.Mai 1932 das Evangelische Vereinshaus eingeweiht werden.Die Zeit, die jetzt folgte, ist für heutige Generationen fast nicht nachvollziehbar, weil sie sie nicht miterlebt haben. Die Ära des sogenannten "III.Reiches" war nicht nur für die Kirche eine sehr verworrene und turbulente Zeit der Einmischung, Änderung, Bespitzelung, der Repressalien und der Unterdrückung. Bei geringsten Anlässen mußte mit drei Fahnen geflaggt werden, mit der schwarz/weiß/roten Reichsflagge, der Hakenkreuzfahne und der Kirchenfahne. Die Jugend wurde sonntags systematisch durch Dienst vom Gottesdienst ferngehalten, wo der örtliche Polizeikommissar in voller Uniform festhielt und weitergab, was geschah und gesagt wurde.
Zu den Kirchenwahlen im Juli 1933 bildete sich die "Einheitsliste Deutsche Christen (DC)", die auch eine 2/3-Mehrheit erzielte. Pfarrer Martin Niemöller, auch der heutigen Generation ein Begriff, gründete den "Pfarrernotbund" gegen unchristliche Machenschaften. Im November des gleichen Jahres kam es im Berliner Sportpalast zu einer Veranstaltung des DC, die einen Aufschrei der Empörung und zahlreiche Reaktionen nach sich zog. Der Gauobmann Krause hielt eine Rede mit folgenden Kernaussagen und Forderungen: "Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst; Verzicht auf die Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners Paulus; man hüte sich vor übertriebener Herausstellung des Gekreuzigten; das Dritte Reich braucht stolze, nicht knechtische Menschen;...". Das Presbyterium der Ev.Kirchengemeinde nahm am 28.11.1933 dazu Stellung und erklärte u.a.:"Der einzige Herr und Führer der Gemeinde ist unser Herr und Heiland Jesus Christus, wie ihn die Bibel im Alten und Neuen Testament verkündigt !" Eine bemerkenswerte Erklärung, die bei den Christen Anerkennung fand weit über die hiesigen Grenzen hinaus. Die "Deutschen Christen" hatten sich selbst vor die Türe gesetzt und so kam es 1934 zur Bildung der "Bruderschaft der Bekennenden Kirche", die mit dem 22.April d.J. als rechtmäßige Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche anerkannt wurde.Mit dem Einmarsch deutscher Armeen 1939 in Polen begann der II.Weltkrieg, das wohl größte Unrecht und Leid dieses Jahrhunderts. Die Wehrmacht brauchte Kanonen und überall wurde scheinbar überflüssiges Metall beschlagnahmt und eingegossen. Aufgrund des Gestellungsbefehls von 1942 hatte die ev.Kirche in Betzdorf die drei Bronzeglocken abzugeben. Die Glocken wurden zur Sammelstelle nach Hamburg transportiert, die vierte Glocke blieb auch im Krieg unversehrt und läutet heute noch in der Scheuerfelder Friedenskirche. Was dann am 12.März 1945 mit dem Bombenangriff auf Betzdorf folgte, war das blanke Inferno. 61 Tote waren zu beklagen, 950 Häuser, darunter auch Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus wurden ganz oder teilweise zerstört. Zwei Wochen später starben im Luftschutzstollen rund 100 Kinder an Sauerstoffmangel. Es ist kaum zu beschreiben, welches Unglück und Leid die Bevölkerung zu erleiden hatte, wie grausam die Ruinen des zerstörten Ortes Mahnfingern gleich in den Himmel ragten.Und doch ging es bald wieder aufwärts, weil tatkräftige Menschen die Ärmel hochkrempelten und zufaßten. Schon im Frühjahr 1946 begannen die Aufräumungsarbeiten, Regierungsbaurat Heinrich Grimm wurde mit der Bauplanung für den Kirchenneubau betraut und im Januar 1948 konnte bereits das Dach aufgeschlagen werden. Im Herbst 1948 entstand der Chorraum neu und im Februar 1951 konnten die Fenster eingesetzt werden. Im Mai 1951 fand man den unversehrten Grundstein von 1894 und fügte eine Zusatzurkunde bei. Der Gottesdienst der ev.Kirchengemeinde fand vom Juni 1945 bis 1948 sonntagsnachmittags in der katholischen St.Ignatius-Kirche statt. Für kurze Zeit erlebten die Betzdorfer Protestanten also wieder ein Simultaneum, welches ja bereits vor 60 Jahren in Kirchen schon einmal ein Ende gefunden hatte. Vom 1.Advent 1948 bis zum Oktober 1952 diente dann das Ev.Vereinshaus in der Bismarckstraße als Notkirche, bevor am Reformationstag 1952 die Kirche als "Kreuzkirche" wieder in Dienst gestellt werden konnte. Auch der Wiederaufbau des Pfarrhauses war mittlerweile abgeschlossen, der Einzug von Pfarrer Wilhelm Gerhard van der Zwaag, des späteren Superintendenten, erfolgte am 15.8.1949.

Am 30.Oktober 1952 wurden vom Bochumer Verein fünf neue Stahlglocken geliefert, am gleichen Tag montiert und am nächsten Tag, dem Reformationstag, konnte die neue "Kreuzkirche" feierlich indienstgestellt werden. Das Gemeindehaus nebenan konnte im März 1953 mit dem Kindergarten bezogen werden. Es enthielt weiterhin einen Jugendraum und eine Schwesternstation. 1958 folgte ein Erweiterungsanbau mit einem großen Saal und der Dachgeschoßwohnung für einen Diakon, die ab 1959 als Pfarrwohnung der 2.Pfarrstelle diente. Kantor Heinz Baumgarten, seit 1952 Leiter des Kirchenchores (gegründet am 1894 unter Leitung von Volksschullehrer Gräff), konnte am 2.Advent 1959 die neue Orgel mit 43 Registern und 4000 Pfeifen mit einem Chor-und Orgelkonzert einweihen. Im gleichen Jahr wurde Johannes Unkrig als erster Pfarrer des II.Bezirkes eingeführt, am 2.August 1961 wurde das Scheuerfelder Vereinshaus offiziell zur "Friedenskirche" und 1963 gründete sich dort ein Posaunenchor des CVJM.Die Jahre 1964/65 standen ganz im Zeichen der Baumaßnahmen auf dem Bühl, man baute den Kindergarten II und das Pfarrhaus II. 1966, im Jahr der Einführung des Ev.Kirchengesangbuches, erschien der erste Gemeindegruß mit einer Auflage von 350 Stück. Das Presbyterium beschloß am 6.März 1969 die Verwendung eines neuen Siegels, das vom Solinger Grafiker Westphal entworfen worden war. Im Advent fand erstmals wieder ein "Bazar" statt, der sich bis heute wunderbar etabliert hat und sich zum großen Segen für die Gemeinde entwikkelte. Vier Wochen später, am 28.Dezember konnte die Kirchengemeinde die Unterkirche von St.Peter und Paul in Alsdorf beziehen. Diese erfreuliche Tatsache eines neuen Simultaneums wurde zum Signal für die örtliche Ökumene, also der Zusammenarbeit und des Miteinanders evangelischer und katholischer Christen in Betzdorf. Weniger erfreulich war da die Reaktion auf einen Jugendgottesdienst im November gewesen. Der Auftritt der Gruppe "Domestic animals" mit Negro-Spirituals sorgte damals für Aufregung und geteilte Meinungen, die Presse urteilte sogar mit der Überschrift:"Das war Babylon".Die Kreuzkirche erfuhr 1970 eine gründliche Renovierung an der Außenhaut und am 24.März des nächsten Jahres erfolgte der Zusammenschluß von acht katholischen und vier evangelischen Gemeinden zur ökumenischen Sozialstation Betzdorf-Kirchen. Im September 1971 wurde nach insgesamt 33 Jahren Karl Bramkamp als Küster verabschiedet. Er hat in dieser Zeit seit 1926 viele Höhen und Tiefen der heutigen Kreuzkirche sozusagen hautnah miterlebt (er wohnte dem Gotteshaus direkt gegenüber in der Bergstraße). Wichtige Ereignisse hielt er fest, fügte Erlebtes hinzu und legte unser Archiv neu an, sodaß nicht nur diese vorliegende Chronik auf seine Notizen und Sammlungen aufbauen konnte. 1972 beschließt das Presbyterium den Bau eines neuen Gemeindehauses auf dem Bühl, ein Jahr später findet in einem großen Zelt auf dem Schützenplatz die "Campaign '73", eine segensreiche Evangelisation, statt. Im Jahr darauf gab es erregte Diskussionen über die Entscheidung des Presbyteriums, ab dem 7.April 1974 den Abendmahl-Wein in Einzelkelchen zu reichen. Als Begründung wurde damals hauptsächlich die sonst mangelnde Hygiene angeführt. Für das eben erwähnte Gemeindehaus II auf dem Bühl erfolgte am 1.9.1978 die Grundsteinlegung, Richtfest war am 29.November d.J. und die Einweihung wurde am 15.9.1979 gefeiert. Somit stand also der Gemeinde ein großer, abtrennbarer Saal, eine Küche und diverse kleinere Gruppenräume zusätzlich zur Verfügung.Im Januar 1982 Trauer und Entsetzen in Betzdorf: In die Alsdorfer Kirche brechen Jugendliche ein und hinterlassen sowohl in "Ober-" als auch in "Unterkirche" ein Bild der Verwüstung. Im selben Jahr findet in Betzdorf das Kreis-Missions-Treffen statt. Pfarrer Twittenhoff als Vorsitzender des Kreismissionsausschusses und seit 1976 Synodalbeauftragter für Weltmission kann in der Kreuzkirche Besuch aus dem Kirchenkreis Muku in Zaire begrüßen. 1987 erfolgt die Innenrenovierung des Kirchengebäudes mit gleichzeitiger Renovierung der Orgel durch die Firma "Förster und Nicolaus" in Lich bei Gießen, seit Herbst 1987 ist der hauptamtliche Jugendleiter Dietmar Wörmann in der Gemeinde tätig. Zum 1.Februar 1989 erfolgt eine Umstrukturierung in der Kirchengemeinde, bei der Wallmenroth dem I.Bezirk zugeschlagen wird.Der 100.Gemeindegruß mit einer Auflage von 2400 Stück erscheint 1990, erstmals bietet Pfarrer Brinken einen Kochkurs für Männer an. Das Jahr 1993 steht ganz im Zeichen des "Pro-Christ-Vestivals" in der Essener Gruga-Halle. Prediger Billy Graham wird dabei via Satellit in viele Städte übertragen, in Betzdorf auf die Großleinwand in der Aula des Gymnasiums. Die Friedenskirche in Scheuerfeld erhält eine neue Orgel und ebenfalls ab 1993 wird beim Abendmahl statt Wein jetzt Traubensaft gereicht.Soweit also die Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde Betzdorf. Es gäbe noch mehr zu berichten, vielleicht sind noch andere Daten wichtig und erwähnenswert gewesen. Aber alles andere als die Beschränkung auf die Chronologie der Ereignisse hätte den Rahmen dieser Abhandlung gesprengt. Zur Geschichte der ev.Schulen und des CVJM sei auf schon veröffentlichte Berichte und Schriften verwiesen, die Chronik von Kreuzkirche, Orgel, Glocken, Chor, usw. wird im Jubiläumsjahr, würdige Erwähnung finden.
Gerd Bäumer
Betzdorf, im März 1994



Quellen:

Fritzsche,Hänsler,Sommerfeld,Unkrig
Evangelische Kirche an der Sieg und auf dem Westerwald
Verlag Dieckmann,Altenkirchen 1990

Dr.August Wolf
Geschichte von Betzdorf
Siegblätter-Verlag, Betzdorf 1951

Fritzsche,Stoessel,Unkrig
Unsere Kirchengemeinde
Presbyterium der Ev.Kirchengemeinde Kirchen (Hsg.), Kirchen 1986

CVJM Betzdorf/Sieg
Chronik eines Jahrhunderts 1889-1989
Festschrift zum Jubiläum

Betzdorfer Zeitung, Jahrgang 1888

Siegener Zeitung
Ausgaben vom 21.9.1991, 30.9.1991,
9.3.1992

Heimatjahrbücher des Kreises Alten-
kirchen
1970, 1973

Archive der Kirchengemeinden Kirchen
und Betzdorf

Private Aufzeichnungen
von Carl Bückart
und Karl Bramkamp

 

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