Friedenskirche
Betr.: Haus Friede / Friedenskirche in Scheuerfeld
Abschrift vom Original im Archiv der Ev.Kirchengemeinde Betzdorf
Gerd Bäumer, Betzdorf, 12.April 2006
Geschichte des Hauses
In Scheuerfeld, Kirchengemeinde Betzdorf, wurde schon seit Jahren eine regelmäßige Bibelstunde durch den Gemeindepfarrer gehalten. Ein dafür freundlich zur Verfügung gestelltes Privatzimmer wurde aber Anfang 1928 wegen Heirat anderweitig benötigt. Zwar stellte ein anderes Gemeindeglied ein Zimmer seiner Wohnung zur Verfügung, aber es reichte für die Bibelstunden nicht aus, man mußte auch das anstoßende Schlafzimmer mit in Benutzung nehmen. Auch hätte die Gemeinde gern weitere Arbeit, vor allem Jugendpflegedienst in Scheuerfeld eingerichtet. Ein neu begründeter Verein für junge Mädchen wurde bereits in dem letztgenannten Hause aufgenommen. Deshalb reifte in einigen Gemeindegliedern zu Scheuerfeld der Wunsch, ein schlichter eigener Versammlungsraum für Gemeindearbeit und Jugendpflege zu errichten. Einige Freunde waren sogar bereit, einen sehr schön gelegenen Bauplatz dafür zu schenken. Dieser Wunsch wurde zum ersten Male öffentlich ausgesprochen, als auf Veranlassung der Scheuerfelder durch den Gemeindepfarrer zu einer Besprechung der Baufrage eingeladen wurde, die im Anschluß an eine Bibelstunde am Mittwoch, 4. April 1928 in der evangelischen Schule zu Wallmenroth stattfand. Eine größere Zahl von Gemeindegliedern aus Scheuerfeld und Wallmenroth stimmte in dieser Versammlung freudig dem Plan zu, für Wallmenroth und Scheuerfeld ein gemeinsames Versammlungshaus auf dem etwa 100 m von der Wallmenrother Grenze entfernt liegenden, als Geschenk angebotenen rund 134 Ruten großen Platze zu errichten. Die Versammlung beschloß, einen „Evangelischen Bauverein Scheuerfeld - Wallmenroth“ zu begründen, und wählte vier Herren aus Scheuerfeld und vier Herren aus Wallmenroth in den Vorstand, außerdem den Gemeindepfarrer zu ersten Vorsitzenden. Der Bauplatz wurde wiederholt besichtigt und fand die Zustimmung aller Teilnehmer. Inzwischen traten die meisten Gemeindeglieder von Scheuerfeld und Wallmenroth dem Bauverein mit einem Monatsbeitrag von mindestens 20 Rpf. bei. Mit der evangelischen Gemeinde Betzdorf wurde ein Vertrag geschlossen, wonach die Kirchengemeinde die Rechtsträgerin des Vereinseigentums wurde. Aber die innere und äußere Verwaltung des Hauses dem Verein überließ, mit der Bestimmung, daß die Vorstandswahl der Bestätigung des Presbyteriums unterliegt und der Verein dem Presbyterium seinen jährlichen Haushaltsplan zur Genehmigung vorlegt, ebenso die Jahresrechnung. Bei Meinungsverschiedenheiten soll die Entscheidung des Konsistoriums maßgebend sein.
Bei einer Reihe von Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen wurde eingehend über eine von Herrn Architekt Prölß ausgearbeiteten Lageplan nebst Kostenanschlag verhandelt und beides mit einem Kostendeckungsplan festgestellt. Inzwischen wurde an beiden Orten fleißig gesammelt. Daneben war sowohl in Scheuerfeld als auch in Wallmenroth schon vorher für die Beschaffung je eine Harmoniums für die beiden Bibelstunden eine größerer Summe zusammengelegt worden.
Überraschenderweise ging unter dem 5. Dezember 1928 bei dem Vorsitzenden von Wallmenrother Mitgliedern des Vereins ein, worin aufgrund einer privaten Aussprache in einer besonderen Versammlung von Wallmenrother Gemeindegliedern vom 3. Dezember 1928 mitgeteilt wurde:
„ 1.) Die evangelische Gemeinde Wallmenroth beabsichtigt den Bau eines eigenen Versammlungshauses im Orte selbst..... 2). Die evangelischen Einwohner Wallmenroths wissen sich mit ihren Glaubensgenossen der Nachbargemeinde Scheuerfeld verbunden und machen daher dem evangelischen Bauverein Scheuerfeld - Wallmenroth diesen Vergleichsvorschlag: der bisher beabsichtigte Bau eines gemeinsamen Gotteshauses sei in die Au rechts der Sieg auf dem Achenbach’schen Grundstück zu errichten. Wenn hierüber eine Einstimmigkeit erzielt wird, können die bisher begonnen Arbeiten weiter gehen. 3.) Ist eine Einigung in dem Punkte 2.) nicht zu erreichen, dann müssen die evangelischen Einwohner von Wallmenroth, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind, so Leid es ihnen tut, vom ersten Vertrag zurücktreten und den Plan zum Bau eines eigenen Hauses in Angriff nehmen.“
Verschiedene eingehende Versuche, beide Orte zu einer Einigung zu führen, scheiterten. Deshalb wurde in einer Generalversammlung vom 8. Mai 1929 der bisherige Bauverein ordnungsgemäß und im Frieden aufgelöst.
Montag, den 27. Mai 1929, wurde in Scheuerfeld im Hause des Herrn Karl Weber, wo die Scheuerfelder Bibelstunden stattfanden, ein neuer „Evangelischer Bauverein Scheuerfeld“ gegründet, dem bisherigen Bauvereinsmitglieder von Scheuerfeld beitraten. Ein neuer Vorstand wurde gewählt, bestehend aus dem Herrn Pfarrer Winterberg, Heinrich Arend, Karl Bürschel, Gustav Arend, Karl Weber. Christian Marpe, Christian Adolphs und Friedrich Recknagel.
Die Arbeiten des Vereins wurden mit außerordentlicher Regsamkeit gefördert, der heiße Sommer mit dem niedrigen Wasserstand der Sieg benutzt, um Bruchsteine aus dem Flußbett zu holen, schon am 14. Juni 1929 mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen, und vor dem Beginn des Winters war durch lauter freie Kräfte und einem bezahlten Fachmann das Kellergeschoß fertiggestellt.
Am 12. Juni 1929 wurde der oben erwähnte Vertrag mit der Kirchengemeinde für den Scheuerfelder Verein vom Presbyterium angenommen.
Bei Beginn des Frühjahrs 1930 wurde der Bau weitergeführt. Die nötigen Mittel waren durch Mitgliederbeiträge, eine Verlosung, Beihilfen aus der Kirchenkasse und aus dem Überschuß des Sonntagsblattes der Gemeinde sowie durch ein kleines Darlehen beschafft worden. In den ersten Maitagen war der äußere Rohbau einschließlich Bedachung im Wesentlichen vollendet. Den Rest der bisherigen Unkosten erwartet man aus den Stiftungen bei der Feier des 4. Mai, in welcher der Grundstein zu einem neu geplanten Turmanbau gelegt werden soll, und aus der von der Kirchengemeinde bereits beschlossenen Beihilfe nebst weiteren Zuwendungen aus den Überschüssen des Sonntagsblattes. Für die erheblich Kosten, welche durch die Schreinerarbeiten und die übrige Fertigstellung und Inneneinrichtung des Hauses sowie für den Turmbau entstehen, sind Anträge an den Minister für Volkswohlfahrt und an den Landeshauptmann gestellt, an letzteren um Gewährung eines Darlehens aus den Mitteln der Landesversicherungsanstalt. Jedenfalls soll nur soweit mit der Fertigstellung des Hauses vorgegangen werden, als es die vorhandenen oder gesicherten Mittel erlauben. Auf keinen Fall soll die Kirchengemeinde weiter belastet werden, als sie es selbst getan durch die Bewilligung einer jährlichen Beihilfe von 200 M.
Da die Mitglieder der katholischen Kirche in Scheuerfeld durch die Glocken der neu errichteten katholischen Kirche in Scheuerfeld ein schönes Grabgeläute bekommen haben, so lag es den Evangelischen am kurzen, nicht allein auf das armselige Geläut eines alten winzigen Glöckleins (Trauglocke der politischen Gemeinde) angewiesen zu sein. Auf dem Dach des Versammlungshauses läßt sich aber nicht, wie man ursprünglich gehofft hatte, eine größere Glocke mit Hilfe eines Dachreiters anbringen, sie würde das leichte Dach zu schwer belasten. Deshalb wurde in einer Sitzung vom 7.April 1930 beschlossen, dafür einen besonderen Glockenturm zu bauen. Ein von Herrn Prölß erbetener und angefertigter Bauplan für den Turm wurde angenommen und baupolizeilich genehmigt.
Soweit die Geschichte des Baues bis zum 2.Mai 1930. (Wi) (Anm.:Winterberg)
Fortsetzung
Grundsteinlegung des Hauses am 4.Mai 1930
Im Jahre 1930, am 13. Und 14.Dezember, wurde das ev. Vereinshaus „Haus Friede“ Scheuerfeld eingeweiht. Es entstand dann ein Kindergottesdienst, ein gemischter Chor, ein Frauenverein. 1934 wurde ein Turm an das Haus angebaut und zwei Glocken aufgehangen. Dieselben haben etwa 6 Jahre geläutet. Im 2.Weltkrieg mußten diese Glocken abgegeben werden. Die Gemeinde Scheuerfeld war noch im Besitz einer kleinen Glocke: (Feuerglocke). Dieselbe wurde der ev.Gemeinde Scheuerfeld überlassen. Nach geraumer Zeit wurde dieselbe jedoch als zu klein empfunden. Es ergab sich dann, daß eine Totenglocke von der Kirchengemeinde Betzdorf zu erhalten sei. (Siehe Protokoll der Kirchengemeinde Betzdorf). Diese Glocke, welche viel größer war, wurde dann in Betrieb genommen. Die kleine Gemeindeglocke wurde wieder zurückgegeben. Am 8. Juli 1956 feierte die ev.Gemeinde das 25jährige Bestehen. Der Bauverein Scheuerfeld wurde inzwischen aufgelöst. Im Jahre 1959 wurde der Name „Haus Friede“ mit Zustimmung der Kirchenleitung Düsseldorf geändert in „Ev.Friedenskirche“ Scheuerfeld. Im Jahre 1960 wurde der als Küche benutzte Unterraum in einen Jugendraum umgebaut und von O.Kirchenrat Rösler Düsseldorf in Dienst gestellt. 1961 wurde ein neues Glockengeläut (3 Glocken) angebracht. Eine Glocke aus der ev. Kirche Betzdorf (die letzte), die nach dem Bombenangriff erhalten geblieben war, wurde nach Scheuerfeld übergeben, so daß vier Glocken im Turm der Friedenskirche untergebracht sind, welche folgende Namen tragen: 1.große Glocke „Ein feste Burg“, 2.Glocke „Ehre sei Gott in der Höhe“, 3.Glocke „O Land, Land höre des Herrn Wort“, 4.kleine Glocke „Er ist unser Friede“. O.Kirchenrat Rösler nahm die Weihe vor. Am 7.November 1971 feierte die Gemeinde das 40jährige Bestehen der Kirche. Sup. Nattland Altenkirchen hielt die Festansprache. Durch Anregung von Pfr. Twittenhoff wurde die bisherige Selbstständigkeit und Verantwortung der ev.Gemeinde Scheuerfeld (Außenbezirk der Kirchengemeinde Betzdorf) aufgehoben und der Ev.Kirchengemeinde übertragen. Anwesend waren bei dieser Regelung Pfr.Twittenhoff, Karl Bürschel und Willi Arend. Es ist noch zu bemerken und erwähnenswert, daß der Gemeinderat von Scheuerfeld durch seine mehrmaligen Spenden den Bau der Kirche gefördert hat. Ohne seine Bezuschußung war es der Gemeinde sehr schwer, die Kirche fertigzustellen. Die gute Zusammenarbeit der ganzen Gemeinde hat zum Ziel geführt durch ihre Mitarbeit. 50 Jahre sind vergangen, daß das Wort Gottes, die frohe Botschaft des Evangeliums gepredigt wurde. 50 Jahre kann aus der gemischte Chor Scheuerfeld, sowie der Kindergottesdienst feiern. Der Frauenverein kann schon über eine längere Tätigkeit zurückblicken.
Gott der Vater und Herr der Kirche, möge unser Haus auch weiterhin zum Segen werden lassen.
Die Kirche steht gegründet allein auf Jesum Christ. Sie, die des großen Gottes erneute Schöpfung ist. Ihm sei Dank, Preis und Anbetung und Ehre.
Willi Arend, Scheuerfeld, den 20. September 1981.
